Seit einem halben Jahrhundert gehören tierrechtliche Ansätze zu den fortschrittlichsten Sichtweisen des Mensch-Tier-Verhältnisses, sie haben aber in der Praxis nicht viele Anhänger:innen gefunden. Es bietet sich daher an, eine neue Sichtweise auszuprobieren, die zuerst in dem Buch „Zoopolis” von Sue Donaldson und Will Kymlicka eingeführt wurde. Sie versteht das Mensch-Tier-Verhältnis in zentralen Fällen als gemeinsame Bürgerschaft in demokratischen Gemeinwesen. Von uns beherrschte und mit uns kooperierende Tiere sollen soziale Rechte erhalten und im Parlament repräsentiert werden. Der Vortrag erörtert die Frage, ob das Konzept der Tierbürgerschaft eine landwirtschaftliche Nutztierhaltung ausschließt.


Peter Niesen ist Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg. Von 2007 bis 2013 war er Professor für Politische Theorie an der TU Darmstadt und Mitglied des Frankfurter Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen”. In Schanghai, Island und an der London School of Economics hat er Gastprofessuren innegehabt. Seine Forschungsinteressen liegen in der zeitgenössischen Demokratietheorie und der Internationalen Politischen Theorie. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen „Erst Ethik, dann Politik, oder: Politik statt Ethik? Zur Grundlegung der Tierrechte im political turn.“ (TIERethik 12, Zeitschrift zur Mensch-Tier-Beziehung) und „Der political turn und die Erhaltung der Arten“ (F. Adloff & T. Busse (Hg.), Rechte der Natur).